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Bericht über unsere Fastenwanderung, geschrieben von Jana Wilhelm:
Auf dem Malerweg durch die Sächsische Schweiz vom 23. bis 28.04.2012

1. Etappe:
Von Pirna-Liebethal beginnen wir, noch mit leichten Zweifeln ob der Durchhaltekraft für unser Vorhaben, zu wandern. Doch die Kinder der 4. Klasse von der Apfelbaumschule Schweta mit ihrer Lehrerin Ulrike Heinze und dem Vater Thomas Horbas laufen tüchtig mit und wir sind abgelenkt. Lotti entdeckt sogar einen Feuersalamander, für alle ein erhebender Moment. Schon ist die 1. malerische Etappe durch den uns bekannten Utrechter Grund nach Stadt Wehlen geschafft und wird für die Kinder mit italienischem Eis belohnt, für uns mit einem Stempel und einer der Sammelkarten mit Motiven von bekannten Malern in der Sächsischen Schweiz. Wir wollen die vom Tourismusverband empfohlenen 8 Etappen mit insgesamt 112 bis 118 km in 6 Tagen laufen. Sven Fischer, der Initiator und Organisator, Johannes und ich laufen somit weiter über die Bastei zum geplanten Schlafplatz, einer Boofe unterhalb der Lokomotive. Sven sucht mit Feuereifer, letztlich entscheiden wir uns für einen kleinen Felsüberhang, trocken und windgeschützt oberhalb des Amselstausees.

2. Etappe:                                                                                                                            Der Rucksack ist schnell eingepackt: Schlafsack, Jacke, Isomatte und 2 Literflaschen Wasser, zusammen ca. 14 kg. Sven trägt noch den Topfsatz mit Kocher, abends und morgens gibt es guten Tee mit Honig aus kleinen Becherchen. Bei der Kälte und tagsüber nur Wasser ist das seeehr köstlich!


Über den Amselfall und die Teufelsbrücke über der Wolfsschlucht des Polenztals führt der Weg nach Hohnstein im Sonnenschein. Von dort nach Brand fehlt stellenweise die Beschilderung des Malerweges, für Sven kein Problem dank Navi. Auf der Brandaussicht treffen wir den uns bekannten Kletterlehrer vom Lilienstein. 800 Stufen hinab in den tiefen Grund und gefühlte 800 wieder hoch nach Waitzdorf, der Weg zur Ostrauer Mühle im Kirnitzschtal zieht sich mächtig hin. Wir glauben schon nicht mehr an die vorgegebenen Kilometerangaben. In der Boofe unterhalb der Schrammsteine angekommen, haben wir an diesem Tag 27 km zurückgelegt. Das wünsche ich mir kein 2. Mal.3. Etappe:
Über Nacht regnet es draußen, wir gehen vom Waldhonigtee und der Nachtruhe gestärkt und trockenen Schuhs in die Schrammsteine und genießen die erste Rast auf dem Breite-Kluft-Felsplateau über der Elbe. Immer wieder fasziniert von dem weiten Blick über bizarre einmalige Landschaft. Die Schlucht hinab ins Tal zum Beuthenfall ist besonders romantisch und still. Am Lichtenhainer Wasserfall gönnen wir uns ein frisches Wasser mit Zitrone unterm Vordach, als plötzlich ein kurzer heftiger Regenschauer niedergeht. Bei vorgelesenen Sinnsprüchen wird der Himmel schnell wieder heiter. Den Kuhstall noch erklommen und hinab zur Boofe mit einem hübschen Plätzchen zwischen Felsen, üppig blühenden Heidelbeeren und Hummeln zum Erholen und Sonne tanken. Die Halbzeit und der halbe Malerweg sind geschafft! Wir staunen schon nicht mehr, immer realistischer wird die Erreichung des Ziels, den kompletten Malerweg fastend zu erwandern.

4. Etappe:
Nach einer kalten windigen Nacht laufen wir uns ohne Morgentee langsam warm. An der Neumannmühle im geschützen Kirnitzschtal und bei Sonnenschein den Tee genießend, erwarten wir wenig später 11 Kinder der ev. Werkschule Naundorf mit der Lehrerin Heike Bollmann, dem Lehrer Herrn Rückert und Andrea Wendler, der Mutter von Martha.
Tapfer erklimmen alle zusammen den langen Aufstieg auf den großen Winterberg über 556 m und erreichen nach vielen Stufen rauf und runter und tollen Eindrücken von felsigen Höhen und grünen Schluchten die Fähre in Schmilka kurz vor der tschechischen Grenze. Helene, Marvin und Heike Bollmann fasteten die ganze Etappe mit. Fast alle fahren sie danach mit den Autos heimwärts, wir überqueren mit den Schülern Dominik Fischer und Christoph Gey die Elbe, um den Rückweg nach Pirna, diesmal auf der anderen Elbseite, anzutreten. Wir erklimmen mit letzter Kraft noch die markante Kaiserkrone mit herrlichem Überblick über die bisher gelaufene Strecke. Schon werden wir wieder mit Kraft erfüllt. Unter dem Gipfel finden wir eine gemütliche Boofe für uns 5 Wanderer. Eine Fledermaus nutzt sie über unseren Köpfen zur Nahrungssuche. Zum ersten Mal frieren wir nicht, morgens erleben wir im Schlafsack den ersten Sonnenaufgang.

5. Etappe:
Wir 5 wandern 6.30 Uhr los, um der gemeldeten Hitze zu entfliehen. Mittags sitzen wir entspannt auf dem Papststein. Heute begleitet uns neben den Schülern Dominik und Christoph auch Lutz Noak-Windemuth. Von Pfaffendorf auf den Pfaffenstein, rund um den Quirl und wieder über Pfaffendorf hinab ins Tal nach Königstein, da haben wir das Tagesziel bereits übererfüllt. Hier genießen die Jungs einen Döner und werden nach enormen 38! gewanderten Kilometern bei voller Ausrüstung von Dominiks Mutter heim geholt.
Wir drei raffen uns auf und steigen zur Festung Königstein hinauf. Kurz unter ihr erreichen wir nach 41 km an diesem Tag gegen 19.00 Uhr die herrlichste Boofe auf unserer Tour. Wir lassen uns in halb Meter hohes trockenes Buchenlaub fallen und stehen nicht mehr auf an diesem Tage. In der Nacht ist es so warm, dass wir sogar den Schlafsack öffnen können. Nichts tut weh in diesem weichen Laubbett, wo 20 Wanderer einen guten Platz gefunden hätten. In einer aus Sandstein gehauenen Tisch- Stuhlgruppe lädt Sven zum Tee ein, aber wir sind zu fertig und bekommen den Tee im Laub serviert. Nach milder sternklarer Nacht genießen wir froh und glücklich den Morgentee in den bequemen Sandsteinpolstern hoch über dem Wanderweg. Ein Zaunkönig will, so scheint es, uns mit seinem Balztanz auf dem Felsvorsprung beeindrucken.

6. Etappe:
Frühzeitig wandern wir über den Königstein in den idyllischen Kurort Weißig, wo wir im edlen Hotel „Rathener Hof“ den vorletzten Stempel holen. Hotelgäste genießen auf der reizvollen Balkonterrasse hoch über dem Tal im Sonnenschein ein angenehmes Frühstück. Von Weißig auf dem schmalen hohen Gratweg des Rauensteins über Felsen, Treppen und Brücken nach Pirna-Pötzscha zu gehen ist besonders eindrücklich und sehr zu empfehlen. Die Landschaft diesseits der Elbe ist nicht so rau und wild. Wir empfinden die empfohlene Richtung, den Malerweg zu gehen als gelungen, denn nach den wilden Tagen werden wir für sanfte Zivilisation schon wieder empfänglich. Der Abstieg zur Elbe wird uns nicht erspart, es folgt der sofortige Aufstieg zum großen Bärenstein. Die letzten Kilometer auf dem Elberadweg unter strahlendem Sonnenschein sind strapaziös, noch ein letzter kleiner Aufstieg zum schattigen Wald und vorbei am Sonnenstein erreichen wir am 6. Tag gegen Mittag die Altstadt von Pirna. Svens Navi zeigt 150,2 gelaufene Kilometer an. Im Tourist-Service erhält jeder eine Urkunde und einen Anstecker als Anerkennung für die gewanderten 8 Etappen auf dem Malerweg.